Pressestimmen

Münsterkantorei spielte Musik zum Totensonntag

Das Hauptwerk dieses Abends war die Kantate «Chant pour le Jour des Morts et la Toussaint» des in Genf aktiv gewesenen Musikers Henri Gagnebin.

Bei dieser Komposition handelt es sich nicht um ein Requiem im eigentlichen Sinn, wohl aber um eine musikalische Auseinandersetzung mit dem Sterben, dem Tod und dem Versuch, mittels der Anrufung vieler Heiligen eine geistliche Brücke zu schlagen zu Gott und einem besseren Jenseits.

Gagnebin ist - in diesem Werk -ein Spätromantiker, der zwar in seiner Behandlung der - stark modal gefärbten - Tonalitäten weit geht, aber dennoch jederzeit harmonisch gut durchhörbar bleibt. Vom Stoff her ist der Hauptteil der Musik nachdenklich, im Tempo moderat, und gefühlsbetont, sodass eine gewisse Gleichförmigkeit im Ausdruck entsteht, die durch wenige energischere Abschnitte glücklicherweise kontrastiert wird. Die wiederkehrenden Anrufungen («prions Dieu» und «debout dans la gloire de Dieu») tun formbildend prägende Wirkung. Man spürte der bewegten Aufführung an, dass die Münsterkantorei, das Orchester der Münsterkantorei, Organist Peter Leu und vor allem ihr Dirigent Werner Geissberger das Werk mit voller Hingabe und einem bewundernswerten Einsatz erarbeitet und über eine im Allgemeinen sehr gut erzielte Präzision der Wiedergabe hinaus den Ausdrucksgehalt gut erfasst haben. Nicola Brügger, Sopran, und Samuel Zünd, Bariton, trugen mit ihren schönen Solostimmen - die Dame leuchtend, der Herr ernst und sonor - Entscheidendes zum starken Hörerlebnis bei.

Hat Gagnebin einen langen Text praktisch durchkomponiert, so hat Bach in seiner Doppelchormotette «Komm, Jesu, komm» das Gegenteil getan: Ihm genügte zum Beispiel ein kleiner Zweizeiler, um daraus ein prachtvolles Musikstück zu schaffen, das in seiner Polyphonie geradezu von instrumentaler Anlage ist und schon nur von der satztechnischen Meisterschaft und dem darüber hinausragenden künstlerischen Gehalt her packend gefangen nimmt. Die beiden Chöre hatten es bei der Umsetzung der oft schwierigen Stimmenführungen nicht eben leicht, aber im Gesamten gelang die Aufführung respektgebietend, und der Schlusschoral kündete trotz Todessehnsucht spürbar von Vertrauen und Weihe.

Nach diesem hochkonzentrierten Meisterwerk hatte die G-Dur-Messe des Jünglings Schubert natürlich einen schweren Stand - sie ist gewiss schön, zum Teil lieblich und zeugt von der melodischen Begabung des angehenden Meisters, aber sie ist noch etwas unreif - zum Beispiel nur schon darin, dass die Vokalsolisten völlig ungleich behandelt werden: Endlich konnten die Altistin Ingrid Alexandre und der Tenor Simon Witzig das Vokalquartett vervollständigen, und auch sie gestalteten, bei kleinen Pensen, etliche sehr schöne Gesangsmomente. Zahlreich war das Publikum, und anhaltend sein Applaus.
                                                                                                                                                      Rita Wolfensberger

(Konzertrezension aus den Schaffhauser Nachrichten vom 22. November 2005)  

 

 

Hohe Ansprüche gemeistert:Der Besuch des sinfonischen Chorkonzertes unter Werner Geissberger hat sich gelohnt.

Es ist ein glücklicher Umstand, dass der Kammerchor der Kantonsschule und die Münsterkantorei unter Leitung desselben Dirigenten stehen. Das erlaubt ihnen, sich für gemeinsame, ambiziöse Projekte zu vereinigen, die jeder für sich allein nicht bewältigen könnte. Zu ihrem gewichtigen Jahreskonzert haben sie sich mit dem Sinfonischen Orchester Zürich und vier vorzüglichen Vokalsolisten zusammengetan und ein Programm präsentiert, das bei hohen Ansprüchen erstaunlich gut gemeistert wurde.

Wenn man bedenkt, wie karg die Unterrichtszeiten für den Musikunterricht an der Kantonsschule bemessen sind und wie begrenzt auch die Probenarbeit der Kantorei ist – von der Zusammenarbeit mit dem Orchester nicht zu reden, welche mit dem absoluten Minimum zu bewältigen war, und dass dazu noch ein erkrankter Solist schnellstens durch einen Einspringer ersetzt werden musste! – so grenzt es fast an ein Wunder, dass ein Programm mit anspruchsvollen Werken konzertreif präsentiert werden konnte. Dazu hat es eines gemeinsamen Einsatzes von Dirigent und Chören bedurft, für den ihnen aller Respekt gebührt: Man konnte erfahren, dass sie für jede Zusatzprobe, für Wochenend- und Heimarbeit zu haben waren und dass Werner Geissberger mit nie erlahmendem Optimismus und einer absolut bewundernswerten Risikobereitschaft an das Gelingen das Unterfangens glaubte.

Und auch die Angehörigen und Freunde der Chorsänger glaubten daran: Sie kamen in Scharen ins Gotteshaus, das dank der vollen Besetzung akustisch sehr gut klang, und animierten die Ausübenden zu lebendigem und temperamentvollem Singen – das natürlich da und dort ein wenig vorsichtig wurden wenn einmal Einsätze, Zusammenwirken von Chor und Orchester oder die Intonation ein bisschen brenzlig wurden. Aber die Chöre waren sicher genug, um jede Klippe zu umschiffen und immer wieder ins gute Fahrwasser zu gelangen. Geissberger wusste sie stramm und effizient zu führen. Übrigens kam auch das Auge auf seine Rechnung: Die Chorsängerinnen waren hübsch anzusehen mit ihren roten Blusen vor dem feierlich schwarzen Hintergrund der Männer, deren überwiegend junge Stimmen zu einem kernigen Gesamtklang entscheidend beitrugen.

Das Konzert begann mit Mozarts «Vesperae solennes» KV 339 in wechselvollen Stimmungen, die vom Feierlichen zum Dramatischen und auch einmal zum Idyllischen reichten, eine Vielfalt, die Geissberger gezielt herauszuarbeiten verstand.

Mit Charles Ives‘«The Celestial Country» wagte man sich in modernere Gefilde und meisterte die teilweise atonalen Abenteuer Respekt gebietend. Hier gelangten die drei jungen Vokalsolisten Nicola Brügger, Simone Hofstetter und Simon Witzig, die am Beginn einer erfreulichen Karriere stehen, zu sehr schönen Einzel- und Gruppeneinsätzen; zu ihnen war als Einspringer der erfahrene Bariton Claudio Danuser gestossen. Und mit den wunderschönen, rhythmisch interessanten, melodisch inspirierten «Chichester Psalms» von Leonard Bernstein erklommen Chor, Orchester, die Organisten Vera Geissberger, Urs Pfister und die Solisten den Höhepunkt des Abends, der in verklärender Beruhigung ausklang.
                                                                                                                                                                       Rita Wolfensberger

(Konzertrezension aus den Schaffhauser Nachrichten vom 18. März 2002)

 

 

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